| Das Museum für Post und
Kommunikation und die Medienberater der TU Berlin präsentieren: |
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![]() gif-Abbildung 27 k, 421x763 | Das Feuerwerkhandbuch ist die wohl älteste Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache. Sie richtet sich an "Städte, Festungen und Schlösser, die von Feinden belagert werden" und erläutert die Herstellung von Pulver und den Umgang mit Kanonen. Darin enthalten ist der Satz "der maister sol auch kunden schreiben vn lesen". Die Begründung ist einfach: "Und darumb wann der stuck sovil sind die darzuo gehoered/ die ein yetlicher guetter püchsenmaister künden soll/ und die ein mayster on die geschrift in seinem sinne nie gedencken kann/ Darumb so stat hernach geschrieben alles das dann dar zuo nutz und man notturfftig ist." (Und darum, weil der Stücke so viel sind, die dazu gehören, die ein jeglicher guter Büchsenmeister können soll und die ein Meister ohne Schrift ohne nicht in seinem Sinn behalten kann, darum so steht hernach geschrieben alles, was dann dazu nützlich und notdürftig ist) Eines der wenigen erhaltenen Exemplare weist auf einigen Seiten Brandspuren auf: ein Hinweis darauf, daß es vor Ort in der Werkstatt aufgeschlagen benutzt wurde. Dies ist ein deutlicher Zusammenhang von Technik und Technikdokumentation. Dabei fehlt es nicht an Sicherheitshinweisen: "Will der meister sich bewaren/ so er mit dem pvlver vmb gat/ das es um keinen schaden pringen mag/ der folg dieser nachgeschriben leere/ der Dunst vn dampff ist ein rechte vergifft dem menschen/ vnd ist doch vnder drey stucken salbetter schwefel vnnd kolkains sunderbar dem menschenn schedlich zuniessen/ Und wen sie vnder einander komend gemische und getemperiert werden so schaden sie dem haupt und dem herzenn und besonder so füllt es die leber/ wann der allergröst schad der daran ist/ ist der dunst/ vn der tampff/ der von de verprumme pvlver gat/ wiltu dich davor hütte/ so sich dz dunit nüchterling damit vmgangst/ vn hüt dich vor wein/ das du nit zvvil trinckest" (Will der Meister sich bewahren, wenn er mit dem Pulver umgeht, daß es ihm keinen Schaden bringen kann, der folge dieser nachbeschriebenen Lehre. Der Dunst und Dampf ist ein rechtes Gift dem Menschen und ist doch unter den drei Stücken, Salpeter, Schwefel, und Kohle, keines für sich gesondert dem Menschen schädlich zu genießen. Und wenn sie untereinander kommen, gemischt und gemengt werden, so schaden sie dem Haupt und dem Herzen, und besonders so füllen sie die Leber, denn der allergrößte Schade, der daran ist, ist der Dunst und der Dampf, der von dem verbrannten Pulver ausgeht. Willst du dich davor hüten, so sieh, daß du nicht mit nüchternem Magen damit umgehst, und hüte dich vor Wein, daß du ihn nicht zu viel trinkst) |
| Die Zeichnungen Leonardo Da Vincis enthalten nahezu alle Elemente, die in modernen Anleitungen enthalten sind. Bei der Abbildung handelt es sich um eine Art Getriebe: links in montiertem Zustand, rechts sind die Einzelteile auseinandergezogen dargestellt. Heute nennt man soetwas "Explosionszeichnung". Die Art der Darstellung findet sich bei den Bauanleitungen zu Schränken von IKEA ebenso wie auf den schriftlichen Beigaben zum Überraschungsei. In der Zeichnung von Da Vinci gibt Relationsbezeichnungen in Form von Ziffern und Buchstaben, die einzelne Teile bezeichnen und die sich auf Textstellen beziehen. Diese Form des Text-Bild-Bezuges ist ebenfalls ein unerläßliches Element aktueller Gebrauchsanleitungen. | ![]() gif-Abbildung 22 k, 734x527 |
![]() gif-Abbildung 49 k, 917x421 |
Das Bremsen des Wagens erfolgt neben einer an der linken Seite des Wagens angebrachten Handbremse hauptsächlich durch Bethätigung des linken Fußhebels (h), welche als Band-bremse auf an beiden Hinterrädern befestigte Bremsscheiben (k) wirkt, während gleichzeitig wie schon oben erwähnt, der Riemen automatisch ausgerückt wird. Um ein sofortiges Halten des Wagens zu veranlassen, wird ausser dem genannten Fusstritthe-bel (h) auch der rechte Fusstritthebel (l) zu gleicher Zeit niedergedrückt, wodurch die mit dem letzteren verbundene Bandbremse auf die Bremsscheibe (m) wirkt und damit das Vorgelege (t) bremst. |
| Anweisung zur Benutzung der Fernsprecheinrichtungen. Allgemeine Bemerkungen. Die Benutzung der Fernsprechvermittlung steht den Theilnehmern in den Tagesstunden von 8 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends frei. Jeder Theilnehmer erhält eine Theilnehmerliste, deren Reihenfolge nach dem Eingang der Anmeldungen geordnet ist. Zu einer guten Verständigung ist kein sehr lautes, wohl aber ein deutliches und nicht zu langsames Sprechen erforderlich. Im Zustande der ruhenden Korrespondenz muß der Fernsprecher b (siehe beigefügte Zeichnung) im Haken c hängen, weil nur unter dieser Bedingung der Wecker in Thätigkeit treten kann. Im Interesse einer schnellen und sicheren Bedienung der Theilnehmer durch die Vermittlungsanstalt ist die genaue Beachtung der nachfolgenden Angaben erwünscht. I. Theilnehmer A wünscht mit Theilnehmer B zusprechen. Zu diesem Zwecke weckt A zunächst die Vermittlungsanstalt, indem er kurze Zeit (2 bis 3 Sekunden lang) gegen den Knopf a (siehe Zeichnung) drückt, hebt hierauf den Fernsprecher b vom Haken c und hält ihn mit der Schallöffnung gegen das Ohr. Die Vermittlungsanstalt antwortet: "Hier Amt, was beliebt?" A erwiedert durch den Fernsprecher d: "Wünsche mit Nummer ... (Nr. von B in der Theilnehmerliste) zu sprechen." Die Anstalt giebt zurück: "Bitte rufen" und stellt die gewünschte Verbindung her. Oder sie sagt: "Schon besetzt, werde melden, wenn frei." Im letzten Falle erwiedert A: "Verstanden," hängt den Fernsprecher b wieder in den Haken, bis der Wecker ertönt, worauf er denselben wieder abhebt, an das Ohr hält und der Anstalt durch Fernsprecher d seine Bereitschaft mit den Worten: "Hier ..." zu erkennen giebt. Die Anstalt meldet nun: "Nummer... jetzt frei, bitte rufen." A weckt nunmehr B durch nochmaliges Knopfdrücken, indem er den Fernsprecher b am Ohre behält. Nachdem die Gegenmeldung Hier B, wer dort?" eingegangen ist, beginnt er endlich die Unterhaltung mit: "Hier A" und bezeichnet den Abschluß der einzelnen Mittheilungen, Fragen u. durch "Bitte Antwort" bz. durch "Schluß". Von der Beendigung der Unterhaltung benachrichtigt A die Vermittlungsanstalt durch letztmaliges Drücken auf den Knopf a. II. Theilnehmer B wird geweckt. Sobald der Wecker ertönt, hebt B den Fernsprecher b von Haken, hält ihn gegen das Ohr und meldet: "Hier B, wer dort?" Hierauf nennt A seinen Namen (siehe unter I) und beginnt die Unterhaltung. III. Zur Bestellung einer Nachricht durch die Vermittlungsanstalt weckt der u. Theilnehmer die Anstalt wie unter I angegeben und sagt: "Ersuche zu schreiben"; nachdem die Anstalt mit "Bitte bringen", geantwortet hat, diktiert er die Nachricht und bezeichnet die Beförderungsart durch: "mit Post"(als Brief oder Postkarte), "durch Eilboten", oder "als Telegramm". | ![]() gif-Abbildung 96 k, 629x1141 |
![]() jpg-Abbildung 40 k, 364x570 | Immer wieder machte man sich Gedanken, wie man den Umgang mit Alltagstechnik leichter erlernt. Eine Möglichkeit besteht darin, den Text in Reimform zu gestalten, in der Hoffnung, daß man sich ein Gedicht besser merken kann als Prosa. |
| "Als einer der bedeutsamsten Schriftsteller unseres Jahrhunderts ist der am 3. Juli 1883 in Prag geborene und am 3. Juni 1924 verstorbene Franz Kafka auf der ganzen Welt bekannt. Vielen seiner Leser dürfte hingegen die Tatsache verborgen geblieben sein, daß der promovierte Jurist sich auch mit der Technikdokumentation befaßt hat, was ihn über seinen literarischen Weltruhm hinaus zu einem der berühmtesten Technikautoren macht. Technikautoren beziehungsweise Technical Writer beschäftigen sich mit dem Verfassen von Gebrauchsanleitungen, deren Sinn und Zweck insbesondere darin liegt, den Umgang mit dem beschriebenen Gegenstand zu vermitteln, um Sach- und Personenschäden zu verhindern. Auch Kafka, der von 1908 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1922 bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag arbeitet, verfaßt zahlreiche Schriften im Zuge seiner Beschäftigung mit dem Unfallschutz." | ![]() gif-Abbildung 9 k, 324x506 |
| 1890 gab es im Berliner Telefonbuch zum ersten Mal eine Buchstabiertafel, die die Übermittlung schwer verständlicher Begriffe
erleichtern sollte. Jedem Buchstaben war einfach ein Ziffer zugeodnet: "A1, B2, C3, usw". 1903 wurden erstmals Namen und
Begriffe verwendet: "Albert, Bertha, Citrone, David ... Jacob (seit 1905) ... Nathan ... Samuel ... Zacharias." Doch ein
Volksgenosse beschwerte sich am 22. März 1933 über die Verwendung der jüdischen Namen. Die Liste wurde darauf arisiert:
"Dora ... Jot ... Nordpol ... Siegfried ... Zeppelin. Nach dem Krieg wurde die Liste wieder verändert, Siegfried wieder zu Samuel.
Aber wer weiß das schon? Und so verlangen die Kanditaten heute in der SAT.1-Glücksspirale weiter ein "S - wie Siegfried",
obwohl es in der offiziellen Liste seit 1948 "Samuel" heißt - und das im gesamten deutsprachigen Raum: in der Bundesrepublik
in der DDR (noch bis zum letzen Telefonbuch 1989), in Österreich und in der Schweiz.
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| Bis zur Erfindung und Einführung der Wählscheibe wurden die Telefonverbindungen von Beamtinnen vermittelt. Vor allem bei Ferngesprächen mußte die gewünschte Anschlußnummer über viele Stationen immer wieder durchgesagt werden. Daß es dabei immer wieder zu Falschverbindungen kam, läßt sich denken. Man glaubte, daß vor allem die mißverständliche Zahlenaussprache für einen Großteil der Falschverbindungen verantwortlich sei. Der Ober-Postdirektor Olivier befaßte sich seit 1919 mit dem Problem. Seine Lösung: eine neu entwickelte Zahlenaussprache, die die Verwechslungen möglichst ausschließt. Der Mensch muß sich anpassen, weil die Technik versagt. So heißt es 1928 in den Anleitungen zum Telefonieren: "Weil der Fernsprecher viele Laute undeutlich wiedergibt, wurde für den inneren Dienst die hier dargestellte Aussprache eingeführt, welche Verwechslungen entgegenwirkt. Die Teilnehmer handeln zu ihrem eigenen Vorteil, wenn auch sie sich dieser Aussprache bedienen, die sich sehr bewährt hat. nuhl - einss - zwoh - drrei - fieärr - fünneff - sechs - siebänn - acht - noihn - zähn - älff - zewwölff". | Zum Anhören in 11kH, 16 Bit, mono als WAV-Format 158 K |
![]() jpg-Abbildung 58 k, 889x626 | Mit der Technisierung des Haushalts taucht eine neue Zielgruppe auf. Die Ingenieure der 50 Jahre hatten offenbar ganz besondere Probleme sich an Hausfrauen zu wenden. So unbeholfen klingt es, wenn sie ihnen die Angst vor der Technik nehmen wollen: "Die Kühlmaschine einmal im Jahr zu pflegen, dazu verpflichten Sie am besten Ihren Mann." Die Liste der Lebensmittel, die in den Kühlschrank sollen, klingt auch nicht mehr modern. Oder wer würde sich trauen "Fett, Käse, Milch, Fleisch und Wurst" als allgemein konsensfähige Nahrungsmittel aufzuzählen? Auch beim Geschmack ändert sich der Zeitgeist. | ![]() jpg-Abbildung 26 k, 399x565 |
![]() jpg-Abbildung 21 k, 408x576 | Hier kommt es her, das Motto der Ausstellung: "Erst lesen - dann einschalten" |
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